Vom Loslassen, Ankommen und zu Hause fühlen

Vor einer Woche habe ich einen kleinen Schritt gemacht. Vom Bahnsteig in den Zug. Einen kleinen Schritt, den so viele Menschen tagtäglich tun. Doch dieser kleine Schritt hatte für mich eine große Bedeutung. Eine Veränderung meines Lebens. Mit diesem Schritt habe ich Bremen, viele Herzensmenschen und das Leben, das ich bisher kannte losgelassen. Ich bin in den Zug gestiegen und in Richtung Zukunft gefahren. Dem Ruf meines Herzens folgend. Im Gepäck einen Plan, Klamotten für alle Jahreszeiten, meine Yogamatte und meinen Laptop. Ein Experiment, ob ich wirklich von überall aus arbeiten kann.
 
 

Bist du schon angekommen?

Jetzt bin ich seit einer Woche in den Tiroler Alpen. Sieben Tage, die alles auf den Kopf gestellt haben. Fremde Umgebung, fremde Menschen, keine Alltagsroutine und jede Menge Fragen. An mich und an das Leben. Was bedeutet eigentlich ankommen? Ist es das Ankommen an einem Ziel? Einen Ort erreichen? Oder meinen wir damit etwas ganz anderes, wenn wir fragen: „Bist du schon angekommen?“ Ich habe mein Ziel mit Bus und Bahn erreicht, aber bin ich hier schon angekommen? Ich fühle mich eher wie in einem Schwebezustand. Versuche mich zu orientieren.

Ist ankommen ein Prozess, ein Übergang von etwas Altem zu etwas Neuem. Ein andauernder Zustand, der sich verändert, aber nie endet? Ist es der Lauf der Dinge, ein Gesetz des Lebens? Die Balance der Gegensätze? Abfahren und ankommen, Ende und Anfang, Nacht und Tag … Etwas uns Bekanntes loslassen, damit sich etwas Neues zeigen kann? Ist ankommen vielleicht mehr ein Gefühl? Ein Gefühl von nach Hause kommen? Womit wir schon bei der nächsten Frage wären.
 
 

Was heißt eigentlich Zuhause?

Den Begriff habe ich jahrelang genutzt, wenn ich meine Eltern besucht habe. Doch ist das Elternhaus (noch) ein Zuhause? Ist die eigene Wohnung das Zuhause? Oder ist Zuhause ortsunabhängig? Ein Gefühl? Der Duden sagt: daheim, am häuslichen/heimischen Herd, im Kreis/Schoß der Familie.

Ich fühle mich zu Hause, wenn ich mit Menschen zusammen bin, bei denen ich mich wohl, aufgehoben und geborgen fühle. Wo ich einfach ich selbst sein kann und mich verletzlich zeigen darf. Wenn ich an einem Ort bin, wo ich mich von der Außenwelt zurückziehen kann, wo ich mich wohl fühle und in Stille auftanken kann. Auch meine eigene Yogamatte ist ein Zuhause für mich. Egal wo ich die Matte ausrolle, auf ihr fühle ich mich direkt zu Hause. Ein magischer, vielleicht auch heiliger Ort, die eigene Yogamatte? Und wenn ich so drüber nachdenke, auch ziemlich verrückt, das ein Stück Naturkautschuk für mich ein Zuhause ist.

Diese Gefühle konnte ich auch an verschiedenen Orten wahrnehmen. Zum Beispiel hier im AlpenRetreat wo ich als Teil der Yogafamilie aufgenommen werde. Oder mein erstes Mal Nepal, Kathmandu. Ich hatte mit Kulturschock und Überforderung gerechnet. Was ich gefühlt habe, war eine innere Ruhe und Stille. Ein Gefühl, dass ich gar nicht in Worte fassen kann. Ich war einfach tief berührt. Ähnlich erging es mir letztes Jahr bei meinem Kurztrip nach Freiburg. Ich fühlte mich nicht als Besucherin, sondern als würde ich in dieser Stadt wohnen. Aus diesem Wohl-Gefühl heraus habe ich dann den Entschluss gefasst diesen kleinen Schritt in die Bahn zu machen: Tschüss Norden. Hallo Süden. Ich bin gespannt, ob ich eine Antwort haben werde, wenn in ein paar Monaten die Frage kommt: Bist du angekommen in deinem neuen Zuhause?
 
 
Welche Gedanken gehe euch durch den Kopf, wenn ihr an Ankommen und Zuhause denkt?